Stephan W.E. Blum, Frank Schweizer

Im Vogelflug:
Ayvalιk – eine Hafenstadt an der Westküste der Türkei im Spannungsfeld zweier Kulturen

Antike Welt 1/2007
ISBN-13:978-3-8053-3720-5

Ayvalik 1
Fährt man von İzmir aus etwa 150 km in Richtung Norden, so erreicht man in der Provinz Balıkesir, leicht abseits gelegen der touristischen Hauptroute, das Hafenstädtchen Ayvalık. Entsprechend wohltuend zaghaft hat sich hier der Tourismus entwickelt, der gänzlich ohne ausschweifende Partyszene und Animationsrummel auskommt. Kleinere und dezenter ins Städtebild eingefügte Hotels bewahren den Charme eines über Jahrhunderte gewachsenen Ortes. Ringsum findet man unberührte Natur und Olivenhaine, in denen die Früchte für einige der qualitativ hochwertigsten Öle der Türkei gedeihen. Die geografische Lage Ayvalıks führt nicht nur zu einem überdurchschnittlich hohen Sauerstoffgehalt der Luft, sondern von Halbinseln und 23 meist kleineren Inseln umgeben – gegenüber in Sichtweite liegt Lesbos – hat dieser Fleck Kleinasiens auch einen ganz besonderen Reiz.

Ayvalik 2
Entstanden ist diese Siedlung erst im Lauf des 16. und 17. Jhs. Zunächst war Ayvalık ein relativ unbedeutender Zu-fluchtsort für eine griechischstämmige Bevölkerung. Der englische Historiker Arnold J. Toynbee berichtet, daß es im Jahre 1773 einem in Ayvalık geborenen und dort aufgewachsenen christlichen Priester gelungen sei, das Vertrauen des Sultanhauses in Konstantinopel zu gewinnen, worauf hin Sultan Mustafa III.(1717–1774) dafür gesorgt habe, daß dort kein Muslim wohnen durfte. Für die orthodoxen Christen bedeutete dies die Erlangung der Autonomie. Bis zum Jahre 1821 wuchs die griechische Be-völkerung auf 30 000 Einwohner an. […]

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